Rückblick: Waldjugendspiele in Saldenburg
Ein Schultag unterm Blätterdach

Forstpate umringt von Kindern mitten im Wald

© AELF Regen

Mit Vogelzwitschern statt Pausengong beginnt für rund 700 Schülerinnen und Schüler aus 34 Schulklassen des Landkreises Freyung-Grafenau ein ganz besonderer Schultag. Nach einem kurzen Gruppenfoto zur Erinnerung und der Zuteilung ihrer „Forstpaten“ dürfen sie heute einen Tag mit vielen Wissens- und Geschicklichkeitsspielen im Saldenburger Wald verbringen.

Vermitteltes Wissen - Erfolgreich umgesetzt

Die Klasse 3b von der Grund- und Mittelschule Röhrnbach macht sich mit Forstwirtschaftsmeister Dominik Jankenschläger auf zur ersten Wissensstation. Hier gilt es, verschiedene Blätter und Samen und Rinde der gängigsten Baumarten wie Fichte, Tanne, Kiefer, Buche, Eiche, Lärche, Ahorn oder Birke zu erkennen. Obwohl das Thema „Wald“ im Heimat- und Sachkundeunterricht schon ein dreiviertel Jahr zurückliegt, wissen die Kinder noch erstaunlich viel. Auch, dass es sich bei den sogenannten Tannenzapfen am Boden streng genommen um Fichtenzapfen handelt und von den Tannenzapfen nur Samen und Schuppen auf den Boden fallen, während die Zapfenspindel am Baum bleibt. Dass man Eicheln früher getrocknet, gemahlen und zu Kaffee geröstet hat, versetzt dagegen einige in Staunen.
Unweit der Wissensstation auf einer lichten Stelle landet ein großer, schwarzer Vogel mit gelbem Schnabel. Sofort können die Kinder ihn als Amsel identifizieren. Auch der Eichelhäher mit seinen charakteristischen blau-schwarz-weiß gemusterten Flügelfedern ist allen ein Begriff. „Der Eichelhäher ist ein guter Holzbauer“, erklärt Jankenschläger. „Er sammelt im Herbst viele Eicheln für seinen Wintervorrat und merkt sich seine Verstecke. Einige hundert Eicheln vergisst er jedoch. Daraus entwickeln sich im Frühjahr neue Eichenbäumchen.“ So entsteht wieder neuer Wald.

Zwischen Flora und Fauna - Kann man eigentlich im Wald überleben?

Auf dem Weg zu den verschiedenen Stationen geht es über Stock und Stein. Die Kinder sind voller Wissensdrang und nehmen Flora und Fauna am Wegesrand unter die Lupe. „Kann man im Wald eigentlich überleben?“, überlegt ein Kind zweifelnd. Der Forstwirtschaftsmeister zeigt auf Eichen- Baumstumpf, der an einigen Stellen wieder neu austreibt. „Junge Eichenblätter sind zum Beispiel essbar, auch wenn sie für uns Menschen leicht bitter schmecken“, beantwortet er die Frage. „Für die Rehe hingegen sind sie eine Delikatesse.“ Oder auch der Holunderbaum am Waldesrand sei sehr gesund. Die Blüten können für Tee und „Holler- Pfannkuchen“ genutzt und aus den Beeren könne im Herbst Saft gepresst werden.
Auch eine gerade mal kniehohe Edelkastanie hat sich im Saldenburger Forst ausgesamt. Später werde sie im Herbst einmal die essbaren Maroni hervorbringen, zeigt Jankenschläger auf. „Die habe ich schon einmal auf dem Christkindlmarkt in Passau gegessen“, ergänzt ein Kind begeistert. Trotzdem warnt der Forstpate die Kinder, nicht bedenkenlos alles im Wald für essbar zu halten, als sie an einer Kolonie von Fingerhut- Pflanzen vorbeikommen. „Bitte fasst die Pflanze nicht an, denn ist sehr giftig. Die Giftstoffe könnten über die Haut aufgenommen werden und über die Finger zum Beispiel in den Mund gelangen“, warnt er vorsorglich.

Spiel, Spaß und Brotzeit im Wald - Ein gelungener, abwechslungsreicher Schultag

Ein Junge liegt mitten im Wald umringt von Heidelbeersträuchern und isst seine Brotzeit

© AELF Regen

Pünktlich um viertel nach neun zur Schulpausen-Zeit stellt sich der erste Hunger ein. Die Kinder lassen sich auf dem trockenen Waldboden nieder und packen ihre Essensvorräte aus. Viele nutzen die leeren Brotdosen, um sie mit frischen Heidelbeeren zu füllen, die hier in Massen wachsen und schon „zeide“, also reif sind. Ein weiterer Beweis dafür, dass mit dem entsprechenden Wissen im Wald niemand verhungern muss. Mit neuen Kräften sind die Kinder bereit für Spiele wie das „Blätterangeln“ oder Turmbauen. Beim Ster-Schlichten ist Schnelligkeit, Kraft und Teamgeist gefragt, um einen Ster Holz von einem Stapel zum gegenüberliegenden Stapel zu räumen. Ganz nebenbei begreifen die Kinder dabei im wahrsten Sinne des Wortes, wie groß ein Ster Holz in Wirklichkeit ist.

Ihren großen Trumpf kann die Klasse 3 b jedoch bei der Ratestaffel ausspielen. „Wie kann man das Alter von Bäumen bestimmen? Welche Maus kann fliegen?“ Mit einer Ausnahme können sie alle Fragen und auch Scherzfragen richtig beantworten.

Klassenleiterin Manuela Luksch ist stolz auf den Einsatz und den Zusammenhalt ihrer Klasse.

Dank an die vielen Helfer - Nur in Zusammenarbeit möglich

Holzplaketten mit Aufdruck der Waldjugendspiele 2026

© AELF Regen

Viele Hände sind nötig, damit die zwei Waldjugendspiel-Tage in Saldenburg reibungslos ablaufen können. Das Organisatoren-Team Sandra Prent, Wolfgang Kreuzer und Simon Hackl vom AELF Regen bedankte sich insbesondere beim neuen Bürgermeister Marco Braml und seinen Mannern vom Bauhof, die das Areal im Vorfeld vorbereitet hatten und bei der Rot-Kreuz-Kolonne Saldenburg. Ein weiteres Dankeschön erging an den Forstbetrieb Bodenmais der Bayerischen Staatsforsten und den örtlichen Revierleiter Thomas Peter, auf deren Gebiet man wieder zu Gast sein durfte. Auch den rund 50 Helferinnen und Helfern, die sich als „Forstpate“ oder Spielleiter zur Verfügung stellten, gebühre Anerkennung.

Obwohl ausnahmelos alle aus dem Regener Bereich Forsten während der Spiele im Einsatz seien, wäre die Durchführung ohne die Unterstützung der Mitarbeiter aus dem AELF Passau, dem AELF Landau- Pfarrkirchen, der Unteren Naturschutzbehörde aus Freyung, den Naturpark Bayerischer Wald- Mitarbeitenden, den Pensionisten und weiteren externen Kräften nicht denkbar.

„Danke für euer Engagement und dass ihr uns immer wieder unterstützt“, fasste Christoph Salzmann, Bereichsleiter Forsten vom AELF Regen zusammen.