Seminar in Eppenschlag
Milchviehfütterung im Biobetrieb

Am 29.11.2025 fand ein Seminar „Milchviehfütterung im Biobetrieb“ statt. Veranstalter war das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Regen gemeinsam mit dem überregionalen Sachgebiet 2.3 T Nutztierhaltung.

Als Referent konnte Dr. Georg Terler vom Institut für Nutztierforschung der HBLFA Raumberg-Gumpenstein gewonnen werden. Ein weiterer Referent war Florian Scharf AELF Abensberg-Landshut (Sachgebiet 2.3T).

Fakten über die Milchviehhaltung in Niederbayern

Im Durchschnitt werden in Niederbayern 55,5 Kühe gehalten. Im Biobereich sind es etwas weniger Kühe. Niedrige Abgangsraten und eine höhere Nutzungsdauer stellen einen Unterschied zur konventionellen Landwirtschaft dar. Aber auch ein höher Zellgehalt und eine verlängerte Zwischenkalbezeit ist in den Ökobetrieben die Regel. Dennoch sind die grundlegenden Sachen in der Fütterung ähnlich.

Optimierung der Grobfutterqualität

Angesprochen wurde die Optimierung der Grobfutterqualität bezüglich Futterwert und Gärqualität. Die Steigerung des Futterwerts, insbesondere um höhere Rohproteinwerte zu erhalten bedeutet: Wer hohe Gehalte haben will, der muss früh und öfter mähen. Gleichzeit ist die Bestandszusammensetzung wichtig.
Wichtig beim Silierprozess ist eine ausreichend lange Gärdauer. Eine Nacherwärmung soll unbedingt vermieden werden.
Florian Scharf - AELF Abensberg-Landshut: "Die Fütterung hat zentrale Bedeutung, unabhängig ob konventionell oder ökologisch"

Die Futteraufnahme soll über die Pansenfüllung/Hungergrube beurteilt werden. Auch das Wiederkauen der Kühe ist ein guter Indikator für eine passende Ration: mind. 50 % der liegenden Tiere sollen wiederkauen. Auch eine gute Kotkonsistenz ist eine praktische Rationskontrollmöglichkeit. Die Kornzerkleinerung – auch im Schrot - soll beachtet werden. Das Grundfutter ist entscheidend. Das wenig eingesetzte Kraftfutter im Ökobetrieb soll effizient sein.

Dr. Georg Terler von der Forschungsanstalt Raumberg-Gumpenstein in Österreich: "Eine hohe Leistung bedeutet nicht gleich hohe Effizienz"

Das Gesetz vom abnehmenden Ertragszuwachs gilt auch für den Kraftfuttereinsatz. Mit steigendem Kraftfutteranteil nimmt die zusätzlich produzierte Milchmenge ab. Wichtig ist hier die Ökonomie nicht außer Acht zu lassen:
Es muss unbedingt eine Anpassung des Kraftfuttereinsatzes geben:

  • an das Fütterungssystem bzw. die Betriebsphilosophie
  • an Laktationsstadium
  • an Körperkondition
  • an den Genotyp
  • an die Nährstoffzusammensetzung des Grobfutters

Ist es sinnvoll billiges Grundfutter durch teures Kraftfutter zu verdrängen? - abhängig zur Marktsituation

Ein Versuch der Forschungseinrichtung Raumberg-Gumpenstein zeigt, dass ein negativer genetischer Zusammenhang von Leistung und Fitness besteht. Für Vollweidehaltung seien kleinrahmige Kühe wahrscheinlich besser geeignet. Ob sich der Kraftfuttereinsatz lohnt, ist abhängig von der aktuellen Marktsituation: - Kraftfutterpreis, Milchpreis aber auch dem Verhältnis von Kraftfutterpreis zu Milchpreis. Angesprochen wurde auch, dass eine Weide und/oder grobfutterbasierte Milchviehhaltung, wie in der Öko-Milchviehhaltung, Preisschwankungen deutlich besser verkraften kann als die intensive Milchviehhaltung.
Auf jeden Fall sollte der Kraftfuttereinsatz zumindest ebenso viel Milch bringen, wie der Einsatz Kosten verursacht.

Fixkostendegression, Lebensmittelkonversionseffizient, effiziente Fütterung von Milchkühen - Zusammenspiel verschiedener Faktoren

Die Fixkostendegression spielt in der westlichen Milchwirtschaft eine entscheidende Rolle: ein höheres Milchgeld durch höhere Leistungen hilft die Fixkosten der Produktion zu decken. Dies macht aber nur Sinn, solange die zusätzlichen variablen Kosten pro kg produzierte Milch den Milchpreis nicht übersteigen.
Beim Kraftfuttereinsatz darf neben der ökonomischen Seite auch die gesellschaftliche Sicht nicht vergessen werden. Der sogenannte Lebensmittelkonversionseffizient zeigt das Verhältnis von produzierten Lebensmitteln zu eingesetzten, potenziell menschlich verwertbaren Futtermitteln. Der Ökobetrieb hat hier Vorteile, da Grassilage, Heu oder Grünfutter nicht durch den Menschen verwerten werden kann.

Effiziente Fütterung von Milchkühen

Kühe liegen gemütlich in auf der grünen Wiese

Bei der Weidehaltung muss bedacht werden, dass eine Zufütterung nötig werden kann.

Als weiteren großen Themenblock sprach Dr. Terler die effiziente Fütterung von Milchkühen an. Zum besseren Verständnis wurde von Dr. Terler in einfachen Worten nochmal kurz erklärt, dass die Pansenmikroben einen Großteil des von der Kuh im Dünndarm aufgenommenen Proteins bilden. Für eine effiziente Bildung des sogenannten Mikrobenprotein braucht es eine ausgewogene Versorgung der Mikroben mit Energie und Protein. Als Ziele des Kraftfuttereinsatzes wurden genannt: Nährstoffungleichgewichte aus dem Grobfutter ausgleichen, die Leistung steigern und Stoffwechselgesundheit erhalten.
Ruminale Stickstoffbilanz:

Die Ruminale Stickstoffbilanz stellt eine Verrechnung zwischen Rohprotein und nutzbarem Protein dar. Sie gibt an, ob im Pansen ein Stickstoffüberschuss oder ein Stickstoffmangel durch das entsprechende Futtermittel vorliegt. Eine grasbetonte Fütterung, wie z.B. bei der Vollweide bedeutet, ich brauche Energiekraftfutter. Ist die Fütterung maissilagebetont, so wird Eiweißkraftfutter nötig.
Generell soll versucht werden, hohe Rohprotein-Gehalte in Grobfuttermitteln anzustreben. Dies wird erreicht durch einen hohen Klee- oder Luzerneanteil in den Pflanzenbeständen und einer Ernte vor Beginn der Blüte.

Leistung:

Die Leistung der Tiere spielt hier eine wichtige Rolle: Dr. Terler gab an, dass bei guter Grundfutterqualität ab ca. 20 kg Tagesmilchleistung ungefähr gerechnet werden kann mit 1 kg Kraftfutter pro 2 kg Milchleistung. Wichtig für die Zusammensetzung des passenden Kraftfutters ist eine Rationsberechnung, welche unerlässlich ist.
Wie die Laktation verläuft, ist unbedingt zu beachten: Die Trockensteherzeit gilt als wichtigste Phase der Fütterung. Eine mittlere Qualität des Grobfutters reicht für die Trockensteher-Gruppe. Es soll in dieser Zeit den Tieren nur wenig Kraftfutter sowie Calcium- und Kaliumarmes Futter gegeben werden. So kann eine Prophylaxe von Ketose und Milchfieber erfolgen.

Ketose

Die Krankheit Ketose wurde nochmals kurz erklärt: Hier gelten als besonders anfällig verfettete Kühe. Nach der Abkalbung wird eingelagertes Fett mobilisiert. Das ist für diese Tiere energetisch günstiger als Futter zu fressen und zu verdauen. Die Folge der Mobilisierung ist dann die Ketose.

Milchfieber

Besprochen wurden auch Risikofaktoren für Milchfieber (Hypokalzämie = Calzium-Unterversorgung rund um die Abkalbung). Milchfieber kurz nach der Abkalbung hängt oft mit zu hohen Calzium – und/oder Kalium-Gehalten in der Trockensteher-Ration zusammen. Grobfuttermittel mit hohen Calzium-Gehalten sind: Luzerne- oder Kleereiche Silagen und besonders kräuterreiches Futter. Hohe Kalium-Gehalte kommen vor bei jung geernteten/beweideten Dauergrünlandflächen oder Feldfutterbestände oder auch bei stark gedüngten Dauergrünland- oder Feldfutterbestände. Eine Mineralstoffuntersuchung des Grobfutters wird dringend empfohlen. Hier sind sich die beiden Fachleute einig.
Das Grobfutter für Trockensteher soll eher aus spät geerntetem Futtermittel von extensiven Flächen bestehen.

Abkalbung

Rund um die Abkalbung erfolgt dann für die Kuh eine große Umstellung. Von der Trockensteherzeit mit einer geringen Leistung geht es in die Frühlaktation bei der Höchstleistung vollbracht wird. Futterumstellungen sollen möglichst schonend durchgeführt werden. 2-3 Wochen vor der Abkalbung soll die Grobfutter-Ration von der Trockensteher-Ration langsam zur Laktierer-Ration gemacht werden.

Fütterung in der Frühlaktation:

Für Hochlaktierer soll nur bestes Grobfutter zur Verfügung gestellt werden. Es soll versucht werden, die Futteraufnahme zu fördern (Schmackhaftigkeit) und es muss unbedingt der Kraftfuttereinsatz an die Leistung und an die Grobfutteraufnahme angepasst werden. Ist die Grobfutteraufnahme gering, muss auch der Kraftfuttereinsatz reduziert werden, sonst besteht Azidosegefahr.

Fütterung in der Mittel- und Spätlaktation:

Eine gute Grobfutterqualität ist in diesem Stadium wichtig. Sollte wegen kleiner Bestände keine Gruppenbildung möglich sein, sollen die Tiere in der Mitte- und Spätlaktation dasselbe Grobfutter wie die Hochlaktierer erhalten. Das Kraftfutter muss an die Leistung angepasst werden. Wichtig in dieser Phase ist, die Körperkondition zu überprüfen. Neigen die Tiere zur Verfettung muss das Kraftfutter reduziert werden. Bei stark abgemagerten Tieren muss eine erhöhte Kraftfutterergänzung erfolgen.

Die Zufütterung bei Weidehaltung trifft vor allem die Öko-Milchviehhalter

Der Bedarf an Zufütterung hängt vom Weidegrasanteil in der Ration, bzw. von der täglichen Weidedauer ab. Bei Kurzrasenweide und hohem Weideanteil empfiehlt sich Zufütterung von strukturreichem Heu. Auch bei der Weidehaltung muss auf eine ausreichende Mineralstoffversorgung der Kühe geachtet werden über Lecksteine etc. Der Kraftfuttereinsatz soll je nach Weidedauer begrenzt werden. Dr. Terler gab an, dass bei einer Stundenweide ein maximaler Kraftfuttereinsatz von 6-8 kg/Kuh und Tag empfehlenswert ist, bei einer Halbtagesweide max. 5-7 kg/Kuh und Tag und bei einer Vollweide max. 2-4 kg/Kuh und Tag. Je höher der Weideanteil in der Tagesration, desto weniger Eiweißkraftfutter wird benötigt.

Die Fütterungsstrategie und der Genotyp der Kühe sind aufeinander abzustimmen. Regelmäßige Futteruntersuchungen, Rationsberechnungen und Rationskontrollen sind durchzuführen. Auch muss unbedingt eine angepasste Kraftfutterzusammensetzung (Rationszusammensetzung, Grobfutterqualität) erfolgen. Der Kraftfuttereinsatz muss an den Laktations- und Jahresverlauf angepasst werden. Der Lebensmittelkonversionseffizient kann durch den Einsatz von Nebenprodukten gesteigert werden. Die Heumilchproduktion kann eine alternative Produktionsform darstellen. Ziel sind gesunde, leistungsstarke Milchkühe und ein hohes Einkommen aus der Milchviehhaltung, so die beiden Referenten Herr Dr. Terler und Florian Scharf.
Das Fazit zeigt, dass die grundlegenden Dinge der Milchkuhfütterung, egal ob konventionell oder ökologisch ähnlich sind ganz nach dem Motto: Die Kuh weiß nicht, dass sie eine Biokuh ist.

Ansprechpartner

Silke Fischer
AELF Regen
Bodenmaiser Straße 25
94209 Regen
Telefon: 09921 608-1015
Fax: +49 9921 608-1008
E-Mail: poststelle@aelf-rg.bayern.de