Praxisnahe Veranstaltungen 2026
Rundum informiert bei den Pflanzenbautagen

Referent Dr. Ludwig Lichtenegger erklärt auf einer Dia-Wand das GrünlandZoombild vorhanden

© AELF Regen, Silke Fischer

Effiziente Düngung für mehr Qualität im Grundfutter, Sortenwahl und Pflanzenschutz für ertragreiche Mais- und Getreidebestände, rechtliche Neuerungen bei Düngebedarfsermittlung und bodennaher Gülleausbringung.

Vielfältige, pflanzenbauliche Themen präsentierte das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Regen den Teilnehmenden der beiden Pflanzenbautage. Diese fanden jüngst am Ayrhof und zusätzlich online an einem Abend statt.
Auf besonderes Interesse stieß der Vortrag von Dr. Ludwig Lichtenegger der Firma K+S, der als Gastreferent am Ayrhof eindrücklich erläuterte, mit welchen Nährstoffen sich die Futterqualität von Grünland und Mais nachhaltig steigern lässt.

Unterschiedliche Betrachtung der Nährstoffversorgung

„Der Pflanzenbauer hat eine andere Sicht auf die Nährstoffversorgung seines Pflanzenbestandes als der Milchviehhalter“, stieg Lichtenegger in die Thematik ein. Pflanzenbaulich betrachtet, benötigt man beispielsweise keinerlei Natrium im Aufwuchs. In der Tierernährung hingegen, ist Natrium für die Fruchtbarkeit von großer Bedeutung. Das gefütterte Viehsalz allein reicht oft nicht aus, um den Bedarf zu decken. Mit der gezielten Düngung von Grünland mit Magnesium-Kainit (20% Na) kann auch das Grundfutter mit Natrium angereichert werden und so zur optimalen Nährstoffversorgung beim Milchvieh beitragen. Zu Mais lohnt die Gabe von Natrium nicht. Mais nimmt das Natrium zwar auf, hier verbleibt der Nährstoff aber in der Wurzelregion und wird nicht in der Pflanze verteilt. Hinreichend bekannt ist, dass zur optimalen Jugendentwicklung von Mais eine ausreichende Phosphatversorgung wichtig ist.

Doch auch Kalium, dem mengenmäßig bedeutendsten Hauptnährstoff vieler Pflanzen, muss im Hinblick auf zunehmende Witterungsextreme und einem steigenden Risiko von Frühsommertrockenheit mehr Bedeutung zugemessen werden. Denn Kalium steuert den Wasserhaushalt der Pflanzen und ist essenziell für den Stofftransport in der Pflanze. Im Bereich der Mikronährstoffe hob Lichtenegger die Bedeutung von Magnesium und Bor hervor. Magnesium ist Baustein des grünen Pflanzenfarbstoffs Chlorophyll und spielt somit eine wichtige Rolle bei der Photosynthese. Bor ist wichtig für die Einkörnung der Kolben. Liegt ein Bormangel vor, wird der Mais nicht vollständig befruchtet, Teile des Kolbens bleiben leer – der Stärke- und Energiegehalt des Ernteguts sinkt.

„Um Nährstoffe zielgerecht verabreichen zu können, muss ich aber vor allem wissen, an was es mangelt. Lassen Sie nicht nur Ihre Böden regelmäßig untersuchen, sondern auch die Gülle!“ so dass Plädoyer an die Landwirte von Lichtenengger.

Sortenauswahl, Pflanzenschutz und Fruchtfolgegestaltung von Bedeutung

Maximilian Dendl vom AELF Deggendorf-Straubing schloss sich mit aktuellen Empfehlungen für die Sortenwahl bei Getreide und Mais an. Diese resultieren aus den offiziellen Anbauversuchen der Versuchszentren und können im jährlich veröffentlichten Handbuch „Integrierter Pflanzenbau“ nachgelesen werden. Aktuelle Themen aus dem Bereich Pflanzenschutz hatte Stefan Brunner, ebenfalls vom AELF Deggendorf-Straubing, mitgebracht. Er erinnerte an das Zulassungsende des Wirkstoffs Flufenacet, der bisher zur Unkrautbekämpfung im Getreide eingesetzt wurde und in den vergangenen Jahren ein wichtiger Baustein in der Bekämpfung von Ackerfuchsschwanz war.

Die Aufbrauchsfrist für Flufenacet-haltige Mittel (u.a. Bandur Forte, Cadou SC, Herold SC) endet im Dezember 2026. Die Entwicklung eines neuen Wirkstoffs, der an die Stelle von Flufenacet treten könnte, ist aktuell nicht absehbar. Als Alternative muss auf bereits vorhandene Herbizidwirkstoffe zurückgegriffen werden, die unter Umständen aber nicht die gleiche Bekämpfungsleistung gegen Ungräser aufweisen wie Flufenacet. Deshalb ist es wichtig, neben dem chemischen Pflanzenschutz auch auf integrierte Maßnahmen wie erweiterte Fruchtfolgen und späte Saattermine zu setzen.

Der Experte für Pflanzenschutz berichtete auch über die zunehmende Verbreitung des Maiswurzelbohrers, für den das Monitoring im Jahr 2025 vor allem im Landkreis Freyung-Grafenau hohe Fangzahlen ergab. Bei hohem Befall birgt der Maisschädling ein enormes Schadpotenzial, das bis zum Totalausfall der Ernte reichen kann, warnte Brunner. Was ist nun zu tun? „Die einzige wirkungsvolle Gegenmaßnahme stellt die Fruchtfolgegestaltung dar“, betonte Brunner. Der Anbau von maximal zweimal Mais in drei Jahren wird dringend empfohlen.

Referent erläutert den Zusammenhang von Düngung und Futterqualität vor einer DiawandZoombild vorhanden

© AELF Regen, Silke Fischer

Düngerecht: Neue Düngeverordnung muss eingehalten werden
Aktuelle Informationen zum Düngerecht hielt Pflanzenbauberaterin Veronika Eberl vom AELF Regen bereit. Denn nach Aufhebung der sog. Ausführungsverordnung zur Düngeverordnung (AVDÜV) fallen nicht nur die zusätzlichen Auflagen in den ehemals roten und gelben Gebieten weg. Wichtig zu wissen ist, dass auch die bisherigen Erleichterungen in den grünen Gebieten (z.B. höhere Grenzen für Düngebedarfsermittlung) nicht mehr gelten. Diese muss ab sofort von allen Betrieben gerechnet werden, die eines der folgenden Kriterien erfüllen:

Kriterien die erfüllt werden müssen:

  • > 15 ha LF
  • > 2 ha Sonderkulturen
  • > 750 kg jährlicher Stickstoffanfall aus eigener Tierhaltung
  • Aufnahme von organischen oder organisch-mineralischem Dünger (ab erstem Kubikmeter)

Neue Vorgaben: Information und Einhaltung Pflicht

Ferner verwies Eberl auf die neuen Vorgaben, die ab sofort einzuhalten sind, wenn ein Betrieb die per Allgemeinverfügung geregelte Ausnahme zur Breitverteilung von wasserverdünnter Rindergülle mit max. 4,6 % TS in Anspruch nehmen möchte. Möchte ein Betrieb wasserverdünnte Rindergülle mit dem Breitverteiler ausbringen, muss dies elektronisch bei der LfL gemeldet werden. Das Meldeprogramm dazu ist seit kurzem auf der Homepage verfügbar. Zusätzlich ist genau zu dokumentieren, welchen Ausgangstrockensubstanzgehalt die Gülle hat und mit welcher Wassermenge und welchem Verfahren diese bis zum Zielwert verdünnt wird. Hinweise zum genauen Vorgehen finden Betriebe auf der Homepage der LfL.

Ein weiterer Punkt war der schrittweise Rückzug der LfL aus kostenfreien Programmen für Landwirte im Bereich der Düngung. Im ersten Schritt werden u.a. die Programme zur Düngebedarfsermittlung eingestellt; die Berechnung ist letztmalig im Frühjahr 2026 für die Düngesaison 2026 möglich. Danach müssen Landwirte auf Angebote von Verbundpartnern oder aus der Privatwirtschaft zurückgreifen, die im Rahmen von Ackerschlagkarteien auch Tools zur Düngebedarfsermittlung anbieten. Mit einem Hinweis auf die erweiterten Aufzeichnungspflichten bei Pflanzenschutzmaßnahmen konnte die Liste der fachrechtlichen Neuregelungen abgeschlossen werden. Welche Angaben exakt in die Aufzeichnungen aufgenommen werden müssen, findet sich ebenfalls auf der Seite der LfL. Die zunächst für Januar 2026 angekündigte elektronische Aufzeichnungspflicht von Pflanzenschutzmittelanwendungen wurde hingegen um ein Jahr auf Januar 2027 verschoben.

Hauptschadensjahr des Engerlings - Gründlandversuch läuft

Silke Fischer, ebenfalls Fachberaterin für Pflanzenbau am AELF Regen, schloss die Ausführungen mit einem Bericht über das vergangene Engerlingsjahr. Das Jahr 2025 war ein sog. Hauptschadensjahr im dreijährigen Entwicklungszyklus der Engerlinge. Auch wenn die Schäden im Allgemeinen hinter den Befürchtungen zurückblieben, gab es doch Regionen, in denen das Grünland schwer von diesem unerwünschten Gast gezeichnet war. Besonders betroffen waren die Gemarkungen Schönbrunn am Lusen, Kreuzberg, Hinterschmiding und Flächen westlich davon.

Für rund 700 ha Grünland wurde von den Landwirten per Härtefallregelung ein Antrag auf Grünlanderneuerung gestellt. Denn die mechanische Bekämpfung mit der Fräse stellt bisher die wirksamste und nahezu alternativlose Bekämpfungsmöglichkeit bei Engerlingsbefall dar. „Unser Grünland muss in einem vitalen Zustand gehalten werden, oder in einen solchen gebracht werden“, betonte Silke Fischer. Denn vitale Grünlandbestände hätten auch eine höhere Widerstandskraft gegen tierische Schädlinge wie den Engerling. Auch am AELF Regen startet in diesem Jahr deshalb ein Grünlandversuch auf den Flächen des Demonstrationsbetriebs von Johannes Schlecht aus Kollnburg. Mit einem Kalkversuch soll der Einfluss des pH-Wertes auf den Grünlandaufwuchs praxisnah erprobt und die Ergebnisse den Landwirten bei Veranstaltungen vor Ort vorgestellt werden.

Ansprechpartner

Silke Fischer
AELF Regen
Bodenmaiser Straße 25
94209 Regen
Telefon: 09921 608-1015
Fax: +49 9921 608-1008
E-Mail: poststelle@aelf-rg.bayern.de
Veronika Eberl
AELF Regen
Bodenmaiser Straße 25
94209 Regen
Telefon: 09921 608-1044
Fax: +49 9921 608-1008
E-Mail: poststelle@aelf-rg.bayern.de