AELF und UNB Regen organisieren Praxistag
Artenreiches Grünland

Artenreiche Wiesen beherbergen eine Vielzahl von Pflanzenarten und bieten Lebensräume für zahlreiche Tiere und Insekten. Wie kann man sie erhalten? Dazu veranstalteten die Untere Naturschutzbehörde (UNB) und das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Regen im Mai 2026 ein Praxistag in Matzelsried. Die rund 20 Teilnehmenden erfuhren viel über Flora, Fördermöglichkeiten, technische Hilfsmittel und wurden selbst aktiv.

Auf der Wiese von Josef und Cornelia Hagengruber in Matzelsried steht Anfang Mai wenig Aufwuchs und alles ist unscheinbar grün. Nur vereinzelt findet man ein kleines blühendes Pflänzchen. Dass aber trotzdem einiges los ist, stellen die rund zwanzig Teilnehmenden bei nährerem Betrachten fest.

Mit dem Handy einfach den Pflanzenbestand erforschen
In kleinen Gruppen fotografieren sie mithilfe der Handys und der kostenlosen App „Flora incognita“ verschiedene Pflanzen, von denen meist nur ein paar Blätter zu sehen sind. Auf der extensiven Wiese bestimmen sie damit unter anderem Frauenmantel, Schafgarbe, Margeriten, Witwenblumen, Wiesenknopf und Schlangenknöterich, im Volksmund auch Zahnbürstl genannt. Diese Pflanzen gelten als Indikatoren, also als Zeigerpflanzen für artenreiches Grünland. „Im Rahmen eines bayerischen Grünlandmonitorings hat man im Mittel 20 Pflanzenarten je 25 Quadratmeter Grünland gefunden. Besonders die hoch gelegenen Flächen wie zum Beispiel in den Alpen oder im Bayerischen Wald weisen eine überdurchschnittlich hohe Artenvielfalt auf“, berichtet Claudia Schreiner- Notzon vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Regen.
Schwerpunkt- Fördermaßnahme "Kennarten im Dauergrünland"
Um diese zu erhalten, setzt Bayern auf verschiedene freiwillige Agrarumweltprogramme oder Ökoregelungen für Landwirtinnen und Landwirte. „Bei der Ökoregelung 5 ist beispielsweise der Nachweis von vier Kennarten aus einer vorgegebenen Liste förderfähig. Diese müssen über je zwei Fotos nachgewiesen werden, wobei der Randbereich eines Schlages ausgenommen ist und die beiden Pflanzen mindestens 15 Meter auseinander liegen müssen “, erklärt Wildlebensraumberaterin Veronika Eberl vom AELF Regen. Der Vorteil liege dabei auf der nur einjährigen Verpflichtung, die im Rahmen des Mehrfachantrags abgeschlossen werden kann.

Über 1300 von den 2750 aktiven Landwirtinnen und Landwirten aus den Landkreisen Regen und Freyung- Grafenau haben im Jahr 2025 bereits ein oder mehrere Grünlandflächen in die Ökoregelung mit den vier Kennarten einbezogen.

„Gehört Löwenzahn auch zu diesen Kennarten?“, will eine Teilnehmerin wissen. „Löwenzahn nicht. Aber andere Pflanzen, die eine löwenzahnähnliche Blüte haben, wie zum Beispiel der Wiesen- Pippau oder das Habichtskraut, sind zur leichteren Bestimmung zu einer Kennartengruppe zusammengefasst“, beantwortet der Biodiversitätsbeauftragte Martin Graf von der Unteren Naturschutzbehörde (UNB) Regen die Frage. Die beim Praxistag ausgeteilte Broschüre "Artenreiches Grünland" sei dazu eine gute Bestimmungshilfe. Über das Vertragsnaturschutzprogramm könne sogar der Nachweis von sechs Kennarten honoriert werden. Hier gelte ein fünfjähriger Verpflichtungszeitraum.
Technische Hilfsmittel erleichtern die Nachweisführung
Ein Botaniker muss man zum Nachweis der Arten freilich nicht sein. Viele Arten blühen im Mai und im Juni und lassen sich dann leicht über die Blüte, im Zweifelsfall unter Zuhilfenahme der Flora Incognita, bestimmen. Mit der vom Freistaat Bayern bereitgestellten Dokumentations- App FAL-BY erfolgt dann der Nachweis auf dem Schlag mit jeweils zwei Fotos einer Kennart, der spätestens am 31. August erbracht werden muss. Um die Kennarten über die gesamte Förderperiode zu erhalten, empfehlen die Experten, sich an der bisherigen Bewirtschaftungsweise zu orientieren.
Pflanzenbestimmung in der Praxis
Damit die Teilnehmenden sicherer bei der Erkennung der Zeigerpflanzen werden, stellt Martin Graf häufig vorkommende Arten mit Blüte, Blatt und Standort vor. „Sumpfdotterblumen, Schlangenknöterich und Wiesenknopf deuten auf einen feuchten Standort hin“, weiß der Fachmann. Während eines kleinen Rundgangs führt er die Gruppe zu einem Biotop des Landkreises, auf dem ein selten gewordener wilder Wacholder wächst.
auf einer Wiese blüht eine Pflanze mit blauen Blüten, der kriechende Günsel.

Kriechender Günsel

Auf einer Wiese stehen Margariten im Blattstadium.

Margarite

Auf einer Wiese sieht man in Nahaufnahme Blätter des Wiesenknopfs.

Wiesenknopf

Auf einer Wiese stehen Blätter und Blüten des Frauenmantels.

Frauenmantel

auf einer Wiese stehen Blätter des Schlangenknöterichs.

Schlangenknöterich

Ein Gamander- Ehrenpreis steht auf einer Wiese.

Gamander- Ehrenpreis

Wiesen und Hecken gehören zusammen
Veronika Eberl räumt in diesem Zusammenhang mit einem Vorurteil auf. „Viele glauben, dass Hecken geschützte Biotope sind, die nicht angefasst werden dürfen. Doch das Gegenteil ist der Fall. Eine gewisse Verjüngung ist wichtig, damit die Hecken nicht überaltern, wieder Früchte tragen oder innen nicht kahl werden.“ Über das Kulturlandschaftsprogramm (Kulap) kann eine abschnittsweise Pflege nach einem erstellten Konzept sogar finanziell gefördert werden. Gerade reich strukturierte und vernetzte Lebensräume sind für gewisse Tierarten, wie zum Beispiel das selten gewordene Rebhuhn, entscheidend.
Weitere Fördermöglichkeiten über Ökoregelungen, KULAP und Vertragsnaturschutzprogramm
Mit weiteren freiwilligen Fördermaßnahmen wie insektenschonender Mahd, Grünlandnutzung mit Schnittzeitpunkten, Altgrasstreifen im Dauergrünland und verschiedenen Kombinationsmöglichkeiten endete der informative Praxistag. Was haben die Teilnehmenden von diesem Tag mitgenommen? Auf jeden Fall weniger Berührungsängste mit der Technik, dem Förder- Regelwerk und mehr Sicherheit bei der Pflanzenbestimmung. Aber auch den Wunsch, die ein oder andere Blumenwiese zu Hause unter die Lupe zu nehmen, um zu sehen, welche Vielfalt sich darin versteckt.